Grundsanierung unserer Orgel – Tag der offenen Orgelbaustelle

Wer erinnert sich noch an den Bau unserer Orgel 1994? Damals ist viele Wochen lang Baulärm und nerviges Pfeifenstimmen in der Kirche zu hören gewesen. Jetzt ist ¼-Jahrhundert vergangen, eine Reinigung und Neuintonation steht an, außerdem einige Verbesserungen, die der Orgel noch mehr Vielseitigkeit und Klangmöglichkeiten geben werden. Für den letzteren Punkt, die Verbesserungen, haben Sie, die Gemeinde, fast 33.000,-€ gespendet. Herzlichen Dank dafür! Für die Unannehmlichkeiten während der Bauphase, wo zunächst die Orgel nicht mehr spielbar sein wird, hoffe ich auf Ihr Verständnis. Zu Ostern wird aller Voraussicht nach, ein Teil der Orgel wieder einsatzbereit sein. Bis zum Juni werden die Arbeiten fortgesetzt. Die deutlichste Verbesserung erhoffe ich mir von der Neuintonation. D.h.: Jede Pfeife wird auf optimalen Klang und Ausgewogenheit hin bearbeitet. In der Hand eines begabten Intonateurs kann das wahre Wunder wirken. Die darüberhinausgehenden Verbesserungen betreffen:

  • Bessere Dämmwirkung der Schwelljalousien (Bei genauem Hinsehen erkennen Sie oberhalb des Spieltisches Lamellentüren, die sich beim crescendo öffnen und beim diminuendo schließen. Dieser dynamische Effekt wird stärker.)
  • Neuer Tremulant im Rückpositiv (das störende Klappern des alten Tremulanten ist dann Geschichte)
  • Trennung der Pfeifenreihen der Sesquialtera 3f. Dadurch kann zum einen eine Sesquialtera nach historischem Vorbild, andererseits das jetzt vorhandene, etwas außergewöhnliche „Experimentierregister“ (eine gute Übernahme aus dem Vorgängerinstrument) gespielt werden.
  • Transmission Bordun 16‘ aus dem Schwellwerk ins Pedal. Eine naheliegende Verbesserung, die uns ein sehr leises Bassregister im Pedal verschafft.
  • Zusätzliche Puffer für Ventile im Schwellwerk. Dadurch vermeiden wir störende Mechanikgeräusche beim Spielen.

Leider ist das Finanzbudget nicht groß genug, um alle Wünsche zu erfüllen: Eine neue Setzeranlage kombiniert mit der Klaviaturelektrik für die Koppeln hätte noch einmal 35.000 € gekostet. Es wird also keine Sub- und Superkoppeln geben, keinen Registercrescendotritt und keine verbesserte Präzision beim Ansprachezeitpunkt der Koppeln.

Wir laden alle Interessierten ein zum Tag der offenen Orgelbaustelle – Ein Blick ins Innere eines faszinierenden Instrumentes, am Sa., 16.03.2019, je zur vollen Stunde um 11, 12 und 13 Uhr. Anmeldung ist nicht erforderlich. Hier können Sie, so hoffe ich, Einblicke in Teile der Orgel nehmen, die sonst immer verdeckt sind. Außerdem kann ich die o.g. Verbesserungen am Objekt erläutern.

Die Firma, die die Ausschreibung gewonnen hat, ist der Mitteldeutsche Orgelbau A. Voigt GmbH, Bad Liebenwerda. Dr. Markus Voigt hat sich mit außergewöhnlichem Engagement um diesen Auftrag beworben und mit mir zusammen ein Konzept erstellt, welche Verbesserungen wir umsetzen wollen. Er ist nicht nur A-Kirchenmusiker, sondern auch ein Tüftler, der neuen Wegen im Orgelbau offen gegenübersteht. So hat die Firma in Eisleben eine 3-Register-Orgel erbaut, die sofwaregesteuert die Pfeifen jedes Akkordes in Echtzeit auf reine Stimmung des Akkordes hin umstimmt, und das auch noch lautlos. Unnmöglich? Ich habe das Instrument selbst gespielt und habe augenblicklich den Eindruck gehabt, dass darin die Zukunft des Orgelbaus liegen wird. Solche Zukunftsmusik ist allerdings für unsere Orgel nicht geplant, auch wenn es ein Eingriff wäre, der nicht grundsätzlich in das Konzept des Erbauers und in den Stil des Instrumentes eingreifen würde. Der Respekt vor dem Stil eines Instrumentes ist bei jedem Eingriff oberstes Gebot.

Wie Sie vielleicht mit verfolgt haben, habe ich das Gesamtwerk César Francks für Orgel in 5 Konzerten zur Aufführung gebracht. Wenn die Orgel fertig ist, plane ich, diese Werke für eine CD-Sammlung aufzunehmen. Dann wird sie weit und breit die geeignetste und schönste Orgel für ein solches Vorhaben sein.

Jürgen Ehlers, Kirchenmusiker